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Zu viele Taifun-Beiträge

Autor: Nils | Datum: 29 Dezember 2014, 11:55 | 0 Kommentare

Ein Überlebenstipp meiner Freunde: "Wenn man keine Ahnung hat, dann antwortet man einfach im Schema: Nein, Nein, Ja."

Weihnachen verging wie im Flug. Simon nahm am 27. ein Boot zurück nach Leyte. Ich war am nächsten Tag noch auf der Weihnachtsfeier meiner Kirche, daher wollte ich am 28. spätnachmittags folgen.

So einfach ist das aber in diesem Land nicht, die Gefahr dass etwas passiert ist gefühlt größer als in Deutschland.  Erst fing es am Nachmittag nur leicht an zu regnen, dann wurden die ersten Schiffe zurückgerufen und um 17 Uhr (zu meiner gebuchten Zeit) wurde nichts mehr aufs Wasser gelassen.  Naja, dann nehme ich eben ein Boot am nächsten Tag. Am Schalter sagte man mir dann, dass ich um 14 Uhr am folgenden Tag zu 50%iger Wahrscheinlichkeit ein Boot nach Leyte nehmen kann. Somit wäre ich zumindest zu einem Teil von Simons Geburtstag und der Weihnachtsfeier in Kananga, Leyte. -> Nein.

Als ich am Morgen des 29.12. dann zum Büro meines Vertrauens ging um mein Boot auf Frühnachmittags zu legen wurde mir die deprimierende Nachricht weitergegeben: aufgrund eines Taifuns werden heute keine Schiffe fahren. Nein! So ein Ärger aber auch! Jetzt verpasse ich Simons Geburtstag. Glücklicherweise bin ich Realist: na gut, dann fahre ich halt am 30. rüber und wir feiern Silvester zusammen, ist eben so. Da kann ich auch nichts dran ändern. -> Nein.

Als ich am Abend wieder in das Büro ging, haben die netten Mitarbeiter beim Wetteramt angerufen, um herauszufinden, wann die beste Zeit am nächsten Tag zur Überfahrt sei. Die Antwort war so simpel wie unnötig: Gar nicht. Auch am 30. werden keine Boote die Strecke von Cebu nach Ormoc, Leyte fahren dürfen. -> Nein.

Also stimmt diese wunderbare Regel leider nicht immer und man muss mit mehr als yweimal "Nein" klarkommen.


So und das ist die Situation. Ich sitze im Internetcafe, mein nett geplanter Trip zu Simon für Silvester steht auf der Kippe und ich überlege was ich machen werde.
"It`s more Typhoon in the Philippines" - euch allen einen schönen Jahreswechsel, ich schaue mal wo es mich hinverschlägt. Es ist definitv kein Grund um die positive Stimmung zu verlieren, es kühlt sich gerade nämlich ziemlich angenehm ab und das Essen ist immer noch lecker! Und Leute, es ist nicht immer "Nein, Nein, Ja."
Einen guten Rutsch!
Liebe Grüße

euer Nils

 

Wenn die Spontanität siegt.

Autor: Nils | Datum: 26 Dezember 2014, 16:14 | 0 Kommentare

Weihnachten extrem! Da die Weihnachtssaison ja bereits im September angefangen hat, dachte ich nicht, dass sich Heilig Abend und die Weihnachtstage nochmal stark davon abheben. Oh, wie ich mich geirrt habe! Die Läden füllten sich von Tag zu Tag und am 24. war häufig kein Durchkommen mehr, die Woche vor Weihnachten habe ich jeden Tag bei einer oder zwei langen Proben für die Weihnachtskantate oder das Weihnachtsmusical verbracht und freie Zeit war auf einmal ein Luxusgut. Nach etlichen Proben und Vorbereitungen der Aufführung der Kantante am 21.12, ging es einfach mit der gleichen Prozedur in der anderen Kirche mit dem Musical weiter, dass im Heilig-Abend-Gottesdienst aufgeführt wurde. Ich war also rund um die Uhr beschäftigt. Zusätzlich war Simon ja noch bei mir und für einen Tag eine US-amerikanische Freiwillige und ich durfte Cebu City präsentieren (was eigentlich auch einen Blogeintrag verdient hätte).

So war der Weihnachtsabend so schnell da, wie wohl noch nie zuvor und ich war erschrocken, als ich am Nachmittag zur letzten Probe in der Kirche saß. Ich schwitzte (aufgrund der Temperaturen) und konnte noch nicht alle Schritte für meinen Tanzpart und so rückte Stunde um Stunde vor, ohne dass ich mir bewusst machte, dass ganz bald der Zeitpunkt kommt vor dem ich wohl am größten Respekt hatte: „Weihnachten ohne die Familie, zuhause und die Routine“.

Und doch fühlte ich Weihnachtsstimmung: auf dem Weg zur Kirche in der Dunkelheit Mandaue Citys, in Hemd und langer Hose, mit etwas Aufregung gefüllt und einem freundlichen „Malipayong Pasko“ auf den Lippen. Ja, das war Weihnachtsstimmung wie ich sie kenne und es freute mich so sehr, weil ich sonst häufig gehört habe, dass die Hitze ein Killer dieser Stimmung ist.

Im Gottesdienst fühlte ich mich total gut, die Weihnachtsstimmung füllte mich aus und ich saugte den Augenblick in mich auf.

Danach war eigentlich geplant, dass wir zu einigen Freunden aus der Jugend zum Essen gehen und dort den Abend verbringen, da wir aber noch zwei weitere spontane Einladungen zum Essen bekommen haben und unsere Gastgeber uns ermutigt haben alles mitzunehmen wurde der späte Heilig Abend zu einem wunderschönen Staffellauf. Bei der ersten Familie, mit der ich auch durch die Arbeit befreundet bin war das Essen, die Stimmung und die Gespräche so gut, dass wir die Zeit verpassten und sehr lange blieben. Dort habe ich mich so ruhig und entspannt gefühlt und ich wusste genau, dass es die richtige Entscheidung war dort zu sein! Nach vollen und stressigen Tagen im gesamten Dezember mit Proben an jedem Abend der 24 Tage fühlte ich mich hier genau richtig!
Simon und ich sind dann weitergezogen, haben bei meinem Pastor noch eine Portion Spaghetti gegessen (nach dem bereits fürstlichen Mahl zuvor) und haben uns dann gemeinsam auf den Weg zum eigentlichen Ort gemacht. Großteile meiner Jugend waren dort schon versammelt und wir kamen gerade noch pünktlich zum Mitternachtsfeuerwerk. Da der 25.12. hier der Hauptweihnachtstag ist wird reingefeiert und zwar wirklich eindrucksvoll. Nach dem Feuerwerk lief der Abend mit Essen, Karaoke und einfach Spaß am Zusammensein noch bis spät in die Nacht.

Auf dem Weg zurück nach Cebu City hatte ich ein wahres Hochgefühl und das an dem Tag vor dem ich so großen Respekt hatte.

Im Nachhinein bin ich froh immer „Ja“ gesagt zu haben: zur Weihnachtskantate einen Abend vor der ersten Probe am 1. Dezember; zum Duett im Weihnachtsmusical, auch wenn es mich immer über eine Stunde kostet nur dort hinzugelangen und die Proben kurzfristig sehr verschiebbar sind; zum Heilig Abend in drei verschiedenen Familien; zum Jahr und Weihnachten auf den Philippinen.

Spontanität siegt, hier ganz besonders und sie ermöglicht Erlebnisse und Eindrücke, die ich nie vergessen werde. Dieses Weihnachtsfest war wunderbar und ich wünsche allen, dass sie auch ein frohes Fest verbringen! Malipayong Pasko, Merry Christmas und Frohe Weihnachten!

Euer Nils

 

***Jetzt kommen Simon und ich langsam zur Ruhe, genießen unsere Ferien und werden für Neujahr nach Leyte in Simons Ort fahren.***

 

Das Warten aufs Donnerwetter.

Autor: Nils | Datum: 06 Dezember 2014, 12:13 | 1 Kommentare

02.12. Dienstag: Am Morgen regnet es. Das ist nicht ungewöhnlich. Häufiger regnet es zwar am Nachmittag, aber man kann es nicht ausrechnen. Im Laufe des Tages hört es auf. Verrückterweise war es das letzte Mal für fünf Tage...

 

04.12. Donnerstag: Ich liege mit heftigen Kopfschmerzen im Bett. Bereits zum zweiten Mal hier auf den Philippinen hat mich das Fieber gepackt. Ich verschlafe Großteile des Tages und rühre mich nur um zu trinken, denn es ist wichtig, dass ich viel Flüssigkeit zu mir nehme. Eine Paracetamol hilft auch ganz gut, aber mehr Sachen bekomme ich nicht organisiert an diesem Tag. Zwischendurch erhalte ich einige sehr beunruhigende SMS...

 

06.12. Samstag: Immer noch kein Regen. Seitdem ich auf den Philippinen bin ist das die zweitlängste Trockenperiode. Es könnte natürlich auf das Ende der Regenzeit zugehen, aber da haben schon viele meiner Ansprechpersonen gesagt, dass die noch einige Zeit anhält. Ich glaube, dass es sich irgendwie aufstaut. Das ist meteorologisch nicht richtig, aber ich habe das Gefühl. Warum?...

 

04.12. Donnerstag: ...SMS von Simon: „Wir warten auf den Taifun.“ „Also mittlerweile ist es ein Supertaifun, wird bei dir auch schon vorbereitet?“ „Es fahren keine Fähren mehr.“ „Wir sollen uns bei den Behörden melden.“ „Bist du sicher untergebracht?“ „Wenn es Überschwemmungen gibt ist es nicht gut, wenn du allein im Erdgeschoss bist.“ SMS von meiner Programmkoordinatorin:„Bunker bitte etwas Essen und Getränke.“

Zuvor habe ich nur von davon gehört, dass ein Taifun kommt und da habe ich mir keine Sorgen gemacht. Taifune waren bisher starke Regenfälle, mehr nicht. Aber mit diesen SMS. Untätig im Bett liegen. Argh! Und ich weiß nur, dass der Supertaifun bald kommen soll. Ich kenne noch keine Stärke, keine Zeit, Nichts. Hui. Selbst als Realist wird man in so einer Situation etwas unruhig (was an diesem Tag hieß, dass ich mal eine halbe Stunde am Stück wach war).

 

05.12. Freitag: Mir geht es nur halb besser, aber ich muss mich wenigstens bei einigen Familienangehörigen melden, die schon nachgefragt haben und dazu schleppe ich mich kurz in die Internetzone im UCCP Tagungshaus. Der Supertaifun soll am nächsten Tag ankommen. Wenigstens geht es mir dann wahrscheinlich wieder besser. Die Möglichkeit ins Tagungshaus zu flüchten oder ins VCMC ist da.

 

06.12. Samstag: ...Mir geht es wieder ganz gut. Zwar habe ich seit zwei Tagen keine Nahrung zu mir genommen und fühle mich dementsprechend schwach, aber das hole ich mit meiner ersten Mahlzeit wieder nach. Ich treffe meine Programmkoordinatorin, die mich auf den aktuellsten Stand bringt: Cebu City ist nicht im Zentrum des Supertaifuns, der sich mittlerweile auch schon ziemlich abgeschwächt hat. Man sollte während des Regens im Zimmer bleiben, aber wir haben hier nichts Schlimmes zu befürchten. Puh! Durch die Erfahrungen des Supertaifuns Haiyans im letzten Jahr sei man vorsichtiger geworden und ist lieber etwas zurückhaltender mit netten Prognosen. Ich soll ohne Angst in die Geschichte reingehen und den Sonntag einfach nicht zu weit von meinem Zimmer weg sein.

 

Das war eine halbe Woche von mir, die ganz viel mitgebracht hat: Respekt vor einem Supertaifun und seinen Prognosen. Krankheit und die daraus folgende Hilfsbedürftigkeit. Erleichterung, weil alles nicht so schlimm werden soll. Spannung vor einem heftigen Regenfall. Eine langgestreckte Wartezeit, in der ich drei Tage hintereinander dachte, dass gleich der Sturm beginnt (Donnerstag-Samstag). Ach, es ist alles so spannend! Und ich bin trotz allem total froh gerade hier zu sein!

Mir geht es jetzt aber wieder in allem gut, ich bin nicht in Gefahr und melde mich nach der kurzen Zwangsauszeit im Zimmer wieder. Denkt bitte alle mit an die Menschen, die in stärker betroffenen Gegenden leben.

Euer Nils

 

Ein Feuerwerk aus Lichtern

Autor: Nils | Datum: 03 Dezember 2014, 10:21 | 0 Kommentare

Da geht man nichts ahnend Toilettenpapier kaufen und wird von vielen bekannten Gesichtern abgefangen. Es ist der 1. Dezember und damit die Nacht der Lichter am neuen Gebäude des VCMC. Das Krankenhaus, in dem ich meine letzten zwei Monate bereits verbracht habe, baut nämlich an. Und dieser Anbau ist im Vergleich zum alten Gebäude etwa dreimal so groß. Seitdem ich hier bin und tagtäglich am Neubau vorbei laufe hat sich schon richtig viel getan. Und das wurde gefeiert. Anlässlich des Dezemberanfangs. Es schien zuerst ein normaler Gottesdienst vor dem Gebäude zu sein, zwar durch Autos beeinträchtigt, aber generell im Ablauf wie ein normaler UCCP Gottesdienst.

 

Irgendwann bekamen alle Kerzen, die zusammen mit den Kerzen auf einem großen Adventskranz entzündet wurden. Nach der Message von Reverend Gamba zum Thema „Licht des Lebens“ wurden alle Lichter ausgeschaltet, die um das neue Gebäude zu finden sind. In einem Kreis aufgestellt hat die versammelte Gemeinschaft „Shine Jesus Shine“ gesungen und dann runtergezählt: 5, 4, 3, 2, 1, 0... nichts...alle Lichter springen an. Das neue Gebäude ist verziert mit Weihnachtsschmuck und bunten Lichtern. Weihnachtslieder ertönen und alle freuen sich über den großen Schritt hin zum neuen Krankenhausgebäude.

Und das ist noch nicht genug. Feuerwerkskörper fliegen vom neuen Dach in den Nachthimmel, dem klaren Mond entgegen. Ein Moment, der einigen der Versammelten vielleicht ein paar Tränen in die Augen gespült hat, den es war ein ergreifender Augenblick nach langer Arbeit, dass so ein Gottesdienst auf den Stufen des neuen Krankenhauses durchgeführt werden kann.

 

Ich kenne den Eröffnungstermin nicht, aber vielleicht habe ich noch das Glück und kann im Sommer des nächsten Jahres die Eröffnung erleben. Wenn das nicht wieder ein Feuerwerk wird.

Am gleichen Abend wurde auch der große Weihnachtsbaum im Kreisel erleuchtet und mit einem Feuerwerk wurde der Dezember begrüßt.

Oder wie Jay, ein Freund von mir zusammenfasst: „Feuerwerk macht glücklich!“

Bei mir war das definitiv richtig an diesem Abend!

 

Das ganze Spektakel habe ich übrigens in T-Shirt, kurzer Hose und Flip-Flops erlebt, nur mal als Erinnerung, dass es 28 Grad Celsius waren.

 

Eine frohe und gemütliche Adventszeit wünsche ich euch allen!