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Gastfreundschaft und Privatsphäre...zwischen Be- und Verwunderung

Autor: Nils | Datum: 09 Juli 2015, 15:23 | 0 Kommentare

Der wohl sehr aussagekräftige Titel meines Blogs beschreibt auch direkt das Phänomen, was ich Tag für Tag (tatsächlich) hier erlebe.
Allein in meiner Gastfamilie wird Gastfreundschaft groß geschrieben (also: GASTFREUNDSCHAFT). Ich wohne hier nicht nur mit meinen Gastbrüdern Jayjay, Tyson und Bal, sowie unseren Gasteltern Pastor Bless und Mommy Tata, sondern auch ein Gastcousin, der wie ein Bruder ist; Kenneth. So etwas kann man sich ja auch in deutschen Dimensionen noch vorstellen, dass man ein Familienmitglied aufnimmt, weil er/sie in der Stadt studiert/zur Schule geht o.ä.
Aber hier hört die Liste noch lange nicht auf. Der Bruder meiner Gastmutter wohnt mit seiner Frau (Ate Mae) und dem gemeinsamen Kind (Xiaxia, wird gesprochen "Seisei") hier. Die Oma lebt den Großteil ihrer Zeit mit uns und nicht im Ort Badian, weil sie es mag Leute um sich herum zu haben. Vor kurzem ist ein weiterer Bruder meiner Gastmama zu uns gezogen, weil er in Cebu City nun arbeitet.
Zeitweise schlafen und essen noch zwei weitere Cousins (Jimjim und Dinson (mit Frau)) im Haus. Und da hört der Familienteil der Mitbewohner erstmal auf. Das bedeutet aber noch nicht das Ende der Mitbewohner, da noch zwei Freunde mit im Haus wohnen, die im nahegelegenen Tagungshaus der Kirche arbeiten. So kommen wir immer auf eine stattliche Anzahl von Leuten, bei denen ich noch nicht mitzähle, dass regelmäßig Pastoren, Freunde, Kirchenmitglieder und sonstige Vertreter für wenige Nächte einziehen, weil sie in Cebu City Meetings o.ä. haben.
Alleine essen muss man hier nicht.
Jetzt gibt es an der ganzen Geschichte eine winzige Information, die das Zusammenleben (nach in Deutschland gelernten Verhältnissen) interessant machen. Das Haus ist nicht sehr groß, etwa in der Größe des Erdgeschosses in dem Haus, in dem ich zuvor mehr als zehn Jahre mit meiner Familie gewohnt habe.
Anzahl der Schlafzimmer: 3. Anzahl der Mitbewohner: 14-17 oder mehr. Ein Schlafzimmer ist dementsprechend genau jenes: ein Zimmer in dem man schläft. Es wird sonst für wenig andere Zwecke genutzt, außer wenn sich alle versammeln um einen Film zu gucken.

Die philippinische Gastfreundschaft verblüfft mich seit Tag 1 auf den Philippinen. Wie viele Familien haben mich und andere einfach aufgenommen? Essen wurde gekocht, was nur schwerlich bezahlt werden konnte; Umstände wurden gemacht, die ich als Gast nur schwer ertragen konnte, weil mir alles zum Besten gemacht wurde, während die Gastgeber sich auf engstem Raum zurückzogen; Liebe wurde von fremden Menschen an mich weitergegeben; Freude strahlte aus Gesichtern, die ich verzaubern konnte, obwohl sie eigentlich mich verzaubert haben. Die Gastfreundschaft, die ich in über 95% der Fälle hier erlebt habe ist unbeschreiblich und umwerfend zugleich. Sie ist der Charakterzug, den ich für mich am meisten übernehmen möchte und den ich bewundere und unfassbar wertschätze. Gastfreundschaft wird für mich auf immer mit dem Land und den neugewonnenen Freunden verbunden bleiben.

Auf Anweisung der gastgebenden Kirche und nach Gesprächen mit der Programmkoordinatorin wurde mir mein eigenes kleines Zimmer zugeteilt. Zur Verteidigung (falls das irgendjemand denkt): in dieses Zimmer würde sonst auch niemand zusätzlich reinpassen, weil es mein Bett enthält und sonst Platz für einen Stuhl und einen kleinen Schrank bietet. So fühle ich mich nicht schuldig Schlafplatz weggenommen zu haben, weil es das kleinste Zimmer von allen ist und sowieso nur einer dort Platz findet. Aber ein anderer Luxus ergibt sich für mich daraus: das Schließen einer Tür.

Ich bin so froh mit meiner Gastfamilie. Aber nach manchen Tagen und wenn ich manchmal konzentriert sein möchte oder auf der anderen Seite erschöpft bin und Zeit für mich brauche, dann kann ich mir meine Privatsphäre nehmen. Und ich bin so froh, dass ich meiner Gastfamilie das erklären konnte und sie es verstehen, dass ich manchmal Zeit für mich brauche, zum reflektieren, zum nachdenken, zum abhängen oder zum arbeiten. Denn eine geschlossene Tür ist garantiert nicht das Zeichen für die immerwährende Gastfreundlichkeit meiner Familie. In diesem Fall ist es ein Stück Zeit alleine, Zurückgezogenheit und Schutz.
Doch die Zeit, die mir viel wichtiger ist, passiert im Garten: zusammen sitzen, reden, lachen und Teil der Kultur und Familie hier sein.

Ich möchte und werde mich verändern in einigen Dingen mehr und in anderen weniger, aber ich werde nicht aufhören "ich" zu sein.

Liebe Grüße
euer Nils

 

Macht der Schönheit

Autor: Nils | Datum: 21 Mai 2015, 05:12 | 0 Kommentare

Als ich aus Dumaguete, Negros zurück Richtung Cebu reise, wird mir wieder einmal die wunderschöne Natur der Philippinen präsentiert. Das Boot legt im hellblauen Wasser ab, das sich nach wenigen Minuten Fahrt in ein dunkles, ruhiges Blau verwandelt. Ich drehe mich um, damit ich einen Blick auf Negros bekomme.
Hinter dem tiefen Blau des Meeres erhebt sich die südliche Bergkette von Negros. Zwei Bergspitzen verschwinden in den Wolken, die nur über dem Festland liegen.

Die grünbrauen Riesen erscheinen noch größer, als ich meinen Blick schweifen lasse und ein landendes Flugzeug erblicke. Ich verfolge es, bis es vor den Bergen zur Landung ansetzt. Es scheint geschrumpft. Das kleine Gebirge überschattet die angenehme Stadt Dumaguete und ich beginne erneut über die Gewalt der Natur nachzudenken:
Taifune und Erdbeeben, Überschwemungen und Erdrutsche, Dürre und Unwetter. All das trifft dieses Land regelmäßig. Tacloban und weite Teile Leytes, die ich gesehen habe sind noch lange nicht vom Taifun erholt, der bereits eineinhalb Jahre her ist.
Jede neue Taifunwarnung (auch mittlerweile regelmäßig außerhalb der Saison) lässt viele Filippinos Angst bekommen. Erdbeeben legen Arbeits- und Lebensalltag lahm.

Lasst uns an die Menschen in Nepal denken, in Haiti, auf den Philippinen. Dort wo in den letzten Jahren schlimme Umweltkatastrophen Leben gekostet haben.
Raus aus unseren Medien und Gedanken heißt leider lange nicht das Ende der Ängste, der Aufbauarbeiten oder der Zerstörung in den Ländern.


Als ich vom Boot stieg, schwappt das Wasser an den weißen Sand und die Berge in Negros wirken -bereits weit entfernt- eher wie Hügel.

 

Der Blick aus dem Fenster

Autor: Nils | Datum: 19 April 2015, 09:20 | 0 Kommentare

Impressionen vom 15.04.2015:

Es ist 20:15 Uhr, Prime Time.

Nach der Fahrt mit dem Motorrad aus den Bergen zurück in die Zivilisation und zum Handyempfang, der Jeepneytour nach Iloilo City, dem Van zum Hafen und dem Boot nach Bacolod City, stehen der Bischof und ich am Busterminal. Heute geht kein Trip mehr nach Dumaguete City, der nicht weniger als sieben Stunden dauert.

Wir mieten uns in eine kleine Pension ein, die eher auf Short-Stays spezialisiert ist, als auf Übernachtungsgäste.
Der Bischof und ich fahren zum 7Eleven, kaufen Bier und Wasser und setzen uns damit in das kleine Restaurant neben der Pension.

Das Batchoy, eine Suppe mit Nudeln, Ei und Fleisch, eine Spezialität aus Iloilo, schmeckt fantastisch und die kalten Getränke lassen die schwüle Hitze freundlich wirken.

21:40 Uhr. Während Bischof Bertoldo zahlt, stehe ich am glaslosen Fenster und blicke auf die verwaiste, aber saubere Straße Bacolods. Die Gitter statt der Fensterscheibe lassen die Szene im ersten Moment vielleicht erdrückend erscheinen, aber das ist nicht so für mich. Genau zu dieser Zeit gehöre ich hier hin! Ich fühle mich gut.

Die Köchin/Putzfrau/Kellnerin/Kassiererin/Inhaberin des kleinen Ladens verabschiedet uns mit einem freundlichen Gruß.

21:50 Uhr. Zurück im Zimmer unterhalten wir uns, schauen philippinisches Basketball und schlafen dabei erschöpft, aber glücklich und zufrieden ein.

Um 2:30 Uhr wird der Wecker gehn. Der Bus nach Dumaguuete wartet. Ein nächster Tag voller Reisen, neuer Orte und Menschen, Eindrücke und der verführerischen Anziehungskraft die dieses Land auf mich ausübt.

 

Quadratisch. Praktisch.

Autor: Nils | Datum: 04 April 2015, 07:05 | 0 Kommentare

An dieser Stelle soll es keine Schleichwerbung geben sondern eine kleine Info über eine philippinische Lebensweise.

Wenn ich im Jeepney oder Bus unterwegs bin, dann ist es generell so, dass meine unfassbare Länge von 1,86 Meter nicht dafür geeignet ist, speziell die Beine. Aber was noch dazu kommt ist, dass Transport genau das ist was das Wort aussagt: das Ziel ist es möglichst viele Personen von A nach B zu bringen. Und wenn in deinem Jeepney kein Platz mehr ist, dann kann man gut erwarten, dass noch mindestens vier bis fünf Leute reinkommen (und ich kann mir an dieser Stelle vorstellen, dass Leute sagen "da übertreibt Nils aber ein bisschen". Nein. Es ist wirklich so.). Transport heißt, dass alle Menschen an ihr Ziel kommen, Komfort braucht man nicht und ich habe noch keinen Filippino/-a mitbekommen, der/die gesagt hat, dass es zu eng sei. Auch das Mitnehmen von Hühnern, Hähnen, Luftballons, Großeinkäufen oder ähnlichem ist keine Besaonderheit und wird von allen ohne Murren akzeptiert.

Ein weiteres Beispiel: was sollte man machen, wenn man müde ist und sowieso gerade nichts zu tun hat? Schlafen, genau! Und viele Filippinos haben eine faszinierende Angewohnheit sowohl überall, als auch zur jeder Zeit und irgendwie zu schlafen. Ob im Bus, am Straßenstand, in der Kirche, auf dem Boden, sitzend, stehend, liegend, im Jeepney, an der Tankstelle, auf dem Motorrad. Diese Liste hat kein Ende. Und auch ich wurde von dieser Eigenschaft schon angesteckt.

Ich könnte an dieser Stelle noch so viele Beispiele aufzählen, von Essen über Einkaufen bis zum Arbeiten. Mir ist es gerade jetzt nochmal aufgefallen, weil mein Bruder zu Besuch war und ihm häufig diese Sachen aufgefallen sind oder mir wenn ich ihn darauf hingewiesen habe, für mich war es sehr häufig schon normal.

Es kann manche Menschen nerven, es kann manchen Menschen gefallen, hier ist es wohl mehr die "Just go with it"-Einstellung. Komfort und Bequemlichkeit werden etwas zurück gestellt, hauptsache ist doch es ergibt Sinn, hilft Menschen bei irgendwas oder ist einfach unkomplizierter. Mit dem guten, alten Knigge sollte hier lieber niemand hinkommen.

Bei mir ist es so, dass ich diese Lebensweise sehr genieße, außer an Tagen wo die Stimmung etwas im Keller ist. Aber generell ist diese Unkopliziertheit einfach fantastisch!

Liebe Grüße
Nils 

 

Wenn ein Monat einfach vergeht

Autor: Nils | Datum: 28 Februar 2015, 12:50 | 0 Kommentare

Februar. Mein einziger Blogeintrag, denn der Monat verging viel zu schnell.

Nach meinem Januar in den Menschenrechtsgruppen für Farmer, Fahrer, Fair Trade und Fabrikarbeiter vergingen die drei Tage zum Zwischenseminar mit Rundbrief schreiben und in meiner Gastfamilie sein.

Das Zwischenseminar war dann zweigeteilt. Erst waren Simon und ich mit 23 weiteren deutschen Freiwilligen auf der wunderschönen Insel Talikud, die vor Davao im Süden der Philippinen liegt, auf dem vorgeschriebenen „weltwärts“ Seminar. Das war sehr gut, weil die anderen Teilnehmer ähnliche Erfahrungen in den Philippinen machen und es aber durch den wunderschönen Strand und das Resort auch eine Art Kurzurlaub war. Fotos findet ihr in dem Ordner „Mindanao – Talikud“ (bald). Es war einfach total interessant und auch sehr schön mal komplett Deutsch zu sprechen (es ist eine sehr gute Sprache, wirklich).

Daraufhin waren Simon, Debbie (letztjährige VEM-Freiwillige) und ich noch eine weitere Woche in Davao in der UCCP, die zur gleichen Zeit auch etwa 200 Indigenious People (Ureinwohner der Philippinen – Lumads) beherbergte.

Zusammen mit den Menschen, die aus den Bergen gekommen waren, wo das Militär ihre Dörfer besetzt um Platz für große (häufig ausländische) Firmen zu gewinnen, haben wir die Tage verbracht und angefangen einen kleinen Informationsfilm über die Situation zu drehen.

Das Flüchtlingscamp ist direkt neben einem Tagungshaus der Kirche und wird nicht nicht zum ersten Mal benutzt. Leider kommt es häufig vor, dass die Dörfer der Indigenous vom Militär besetzt werden und die Menschen so zu vertreiben versucht werden. Gerade die Kinder hatten scheinbar viel Spaß daran, dass wir da waren.

Insgesamt waren die zwei Wochen in und um Davao sehr schnell vorbei und wir waren schon wieder auf dem Rückweg nach Cebu. Dort ist Simon noch etwas bei uns geblieben und nach zwei Tagen wieder nach Leyte übergesetzt. Für mich war dann eine halbe Woche frei, die ich für meine Stipendiumbewerbungsunterlagen genutzt habe.

Die letzte Woche im kurzweiligen Februar war ich dann zurück im Krankenhaus, dem VCMC, im OP, was unfassbar interessant war und manche der Ärzte haben mir soviel erklärt und gezeigt.

Sonst muss ich mich eigentlich nicht mehr in meine Gastfamilie einleben, sondern bin schon mittendrin, ganz normal.

 

Mein zweiter Rundbrief ist gerade verschickt worden. Wer den nicht bekommt oder bekommen hat, kann sich jederzeit bei mir melden, ich sende ihn dann zu und auch für die zwei verbleibenden Rundbriefe.

Zum Ende ein kleiner Tipp: wer mal so richtig schwitzen möchte, sollte in den Philippinen mit Simon Badminton spielen.

 

Liebe Grüße aus Cebu City, der sogenannten "Queen City of the South"

euer Nils

 

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